Podcast zum Essayfilm auf cinematologists.com

Schöner Beitrag über die Relevanz des zeitgenössischen Essayfilms, dessen Dynamik gerade in England deutlich zu beobachten ist. Der Podcast wurde im Rahmen der Veranstaltung ESSAYFILM NOW aufgenommen, einer Veranstaltung (LINK) zu essayistischen Strategien die im Januar 2016 in der Whitechapel Gallery London stattfand.

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Es werden u.a. die shortlisted Nachwuchsfilmemacher Charlie Lyne, Marianna Simnett, Sam Stevens and Sarah Wood besprochen, wobei Sam(uel) Stevens mit seinem Film „Spanish Labyrinth“ den Preis erhielt.

Interessant ist auch der Versuch des Moderators Tendenzen des Dokumentarfilms auszumachen und die Frage zu stellen, welche Bedeutung die Unterscheidung von Fiktion/Dokumentarismus heute wirklich noch haben kann.

Das Programm von ESSAYFILM NOW: LINK

 

 

 

 

 

 

Essayfilm: Spanish Labyrinth (2016) von Samuel Stevens

 

Der Film widmet sich den revolutionären Filmemachern Yves Allégret und Eli Loar, die beide 1931 in Spanien inhaftiert wurden. Stevens begibt sich auf die Spurensuche und verwendet dabei teils (lost-)found footage und auch Nachdrehs. Die Aussagekraft der damaligen politischen Ereignisse in Spanien erklären sehr präzise die heutige soziale Wirklichkeit des Landes. Einschlägige Kriterien die dem Essayfilm unterstellt werden können, sind hierbei klar gewählt und überlegt eingesetzt.

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Der Filmemacher ist zur Zeit Lehrbeauftragter an der University of Westminster, wo er vormals diesen Film als PhD-Arbeit präsentierte.

Weiter Infos zum Auto/Film: LINK

Da ist er, der erste postum“about Chris Marker-Film“, von Arnaud Lambert & Jean-Marie Barbe

lamb_wbNicht nur die Herren Emerson Culurgioni, Jonas Matauschek und Nicolas Rossi nahmen sich den Tod des Großmeisters zum Anlass einen Film (Drei Wege: noch in der Post Produktion) zu realisieren – der Film „Never Explain – Never Complain“ von Arnaud Lamber (Autor: Also knows as Chris Marker“) und Jean-Marie Barbe ist eine direkte Reaktion und eine ziemlich experimentelle zudem. Dieser kann in SD-Qualität komplett angesehen werden: LINK

 

 

Adorno vs. Film: „Notizen zu Papas und Bubis Kino“ (in der ZEIT – 18.11.1966)

Adorno sah in den Filmen (dies bezog sich allerdings auf das deutsche Kino 1966) ganz allgemein nichts als unerfüllte Erwartungen, denn „wie die Schlager sind sie die Reklame ihrer selbst, tragen den Warencharakter als Kainszeichen auf der Stirn. Jeder kommerzielle Film ist eigentlich nur die Vorschau auf das, was er verspricht und worum er zugleich betrügt.“

Der Artikel (LINK zum kompletten Artikel) von 1966 ist aber dennoch immer wieder lesenswert, und hingegen der Erwartung Vieler, auch unterhaltsam.

Diese kritische Momentaufnahme des Philosophen, der sich vehement für eine Weitung der künstlerischen Ausdrucks aussprach, ja, dies medienunabhängig und als geistiges Konzept begriff, sah in der damaligen Filmindustrie alles andere als eine hoffnungsvolle Perspektive dahingehend. Dass zahlreiche Filmtheoretiker seinen Text „Der Essay als Form“ später immer wieder als Referenz für die so unstetige jedoch unbestrittene Essayfilm-Bewegung gelten wird, hätte er sich bestimmt träumen wagen. Anfängliche filmexplorische Ansätze der Brüder Lumière oder auch Walter Ruttmanns „Berlin: Sinfonie der Großstadt“von 1927 skizzierten sicher schon ein essayistische Formen vor, die sodann Filmemacher wie Sergei Eisenstein, Hans Richter, Orson Welles, Pier Paolo Pasolini, Johan van der Keucken, Peter Krieg, Harmut Bitomsky, Alexander Kluge und auch Harun Farocki weiterführten. Gemeinsam ist allen diesen Filmemachern, so Thomas Tode (Der Essayfilm, siehe Publikationsliste)[…] „dass sie sich für Fragen der Theorie interessieren, zumeist selbst über Film schreiben und nicht zuletzt sozialen Bewegungen stark verbunden sind.“ So verfasste Hans Richter 1940 bereits als eines der frühsten Zeugnisse hierfür einen Artikel unter der Überschrift „Der Essayfilm. Eine neue Form des Dokumentarfilms“, publiziert in der Baseler Zeitung (siehe dazu den Artikel von Winfried Pauleit in: Film als Theorie: Der Essayfilm als doing-image-text. LINK, abberufen am 26.2.2017).

chem_wbAbb: Still aus JLG/JLG (1994)

Doch Adorno war auch anderen Filmformaten gegenüber skeptisch eingestellt, wenn er sie auch nicht völlig ignorierte. Interessant ist der Umstand, dass Alexander Kluge mit „Abschied von gestern“ ebenfalls 1966 einen Film liefert, den Kluge selbst und auch die Presse später als Essayfilm betrachten wird. Kluge war bekanntlich im Umfeld Adornos sehr präsent. In einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel am 11.09.2003 (LINK) äußert er sich wie folgt:

Adorno hielt von Film und Kino gar nichts. Er hat aber den Autorenfilm, vor allem den französischen, respektiert. Es hat ihn gewundert, dass so etwas in der Filmwirtschaft überhaupt möglich ist. Godards „Außer Atem“ fand er leichtsinnig, aber interessant. Etwas zu protestantisch für seinen Geschmack, aber sehr entschieden und radikal in der ästhetischen Dimension, in der Montage. Es hat ihn interessiert, inwiefern die Montage bei Eisenstein rhetorischer Natur ist und wie im Gegensatz dazu Godards Montage aus der Sache kommt, aus der Unvereinbarkeit zweier Einstellungen. Es ist das dritte Bild, das Bild zwischen zwei aneinander montieren Bildern, das man nicht sieht und das den Film in Bewegung hält. Das ist typisch Adorno, der Gedanke, dass es gar keine Bilder gibt und dass nur das unsichtbare Bild zählt. Wir haben am Institut für Filmgestaltung einen neunstündigen Film über die Studentenbewegung in Frankfurt gemacht. Adorno sagte uns, man muss blind filmen. Wenn Sie ohne Absicht etwas aufnehmen, werden Sie immer etwas aufspüren. Was das ist, werden Sie erst hinterher sehen. Der absichtslos aufgenommene Film ist klüger als das, was Sie als Absichten haben können. So denkt Adorno

 

Nur die wenigsten Filmemacher werden sich mit diesem Abschusssatz identifizieren können. Gerade der Filmessay stellt eine sorgsam gewählte höchst-subjektive und auch arrangierte Arbeit dar, die natürlich bestimmten Absichten folgt. Vielleicht ist Adornos Haltung aber auch als Antrieb nutzbar sich immer wieder bewusst zu werden, welch Beziehungsgeflecht Film eigentlich bedeutet, und das die Beherrschung dieser Kulturtechnik eine Lebensaufgabe bedeuten muss.

 

14.02.2017/Berlinale: Wie lässt sich ein hybrider Essayfilm vermarkten?

Bei der diesjährigen Berlinale ist wieder das Filmfestival VISIONS DU RÉEL NYON (CH) verteten. Im Rahmen des Programmpunktes „Meet the Docs“ präsentiert Merle Kröger (pong GmbH-Berlin) den Film A HOUSE IN NINH HOA von Philip Widmann und Phuong-Dan Nguyen und lässt hinter die Produktions- und Vertriebsbedingungen eines filmischen Formats blicken, dessen Gattungszuweisung nicht ganz eindeutig daherkommt.

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MEET THE DOCS
EFM White Room
Dienstag, 14.02.2017
16-17 Uhr

Trailer
Webseite

Kommende Screenings:

20. – 22. Februar 2017, 20:00
Cineding Leipzig

16. – 18. Februar 2017, 22:00
Cineding Leipzig

Filmfestival VISION DU RÉEL:

Mo 18. April 19:00
Mit anschliessender Debatte
Di 19. April 10:15

Veranstaltungshinweis: Symposium zum Schweizer Experimentalfilm in Zürich

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Im Zentrum des Interesses stehen bei der Ausstellung samt des angefügten Symposiums namens „Film Implosion“, zugegeben etwas salopp formuliert, der Schweizer Experimentalfilm. Es geht darum kaleidoskopisch auf eine Zeit zurückblicken, als die Ordnung des Filmischen bzw. der Begriff des Filmischen an sich, entschieden in Frage gestellt wurde.

Zwischen den 1960er und 1980er Jahre spiegelte der Schweizer Film die Welt ab, und hinterließ zu dieser Zeit Spuren stark konturierte aber weitgehend unbekannte Spuren für die Nachwelt. Ob die Veranstalter darauf hinweisen wollen dass der Umgang mit dem Filmischen heutzutage nicht mehr radikal genug ist, zu sehr technikverspielt- und -verliebt, aber bei Weitem nicht inhaltlich?

Nonformistische Arbeiten von beispielsweise John M. Armleder, Dieter Roth, Fredi M. Murer oder H.H.K. Schoenherr lassen den Umgang mit dem Medium explorisch erscheinen, oder aber wie eine erste Form ästhetischer Forschung, die nicht wie der Essay zwingend intellektuell angelegt ist, dafür aber vielleicht noch mehr befreit von jeglichen Konventionen.

Weiterführende Informationen: LINK

Liegt die Zukunft des audiovisuellen Essays im Hypervideo?

Die Zukunft des audiovisuellen Essays könnten Anwendungen sein, die interaktive Videos direkt im Browser bearbeiten lassen. Filmische Inhalte können via zusätzlicher multimedialer Dokumente (Text, Bild, interaktive Karten…) verlinkt werden, welche man hinterher im Film an bestimmten Punkten platziert.

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Eine Freeware zum Testen gibt’s hier:http://frametrail.org 

Frametrail entstand im Rahmen von „Remediate“, einem Projekt zur künstlerischen Forschung, dass die Merz Akademie und die Akademie Schloss Solitude in Kooperation mit der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) seit 2009 bis 2016 durchführen. Im Sub-Projekt „Reverse/Remediation“ setzte man sich erstmalig mit dem Thema des filmbasierten Zugriffs auf digitale Archive auseinander.

Grundlage von FrameTrail ist die Bachelorarbeit „Open Hypervideo as Archive Interface“ von Joscha Jäger aus dem Jahr 2012, aus der eine prototypische Applikation und ein erster Anwendungsfall entstand. Daraufhin wurden weitere Entwicklungen vorangetrieben und zusätzliche Anwendungsbereiche definiert. 2016 wurde das Projekt „Open Hypervideo“ offiziell zu „FrameTrail“ umbenannt und unter einer Open Source Lizenz veröffentlicht.

Chat zwischen Kevin B. Lee und Volker Pantenburg und Kevin b. Lee (Schreibtischessayist und Stipendiat/Harun Farocki Institut)

hi kevin, you’re probably out having drinks

probably not

 

 

Adorno, der Mac von Kevin B. Lee, erlitt auf dem Weg nach Deutschland einen herben Funktionsschaden. Besonders schmerzvoll für einen Essayisten, der anstatt einer Kamera seinen Rechner als Produktionsmittel einsetzt:

Emotional attachments to technology are dubious to be sure, but this loss hits hard, because in the last three years I’ve produced over a hundred video essays with Adorno’s help, more than any other collaborator I’ve had.

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Kompletter Chatverlauf und mehr…