Filmpraxis als wissensch. Erhebungsverfahren: PhD-Programm in Anthropology, mit Schwerpunkt auf Media Anthropology

Nein, es ist wirklich nicht von der Hand zu weisen,dass Einzelwissenschaften in den letzten Jahren gewisslich Tendenzen aufweisen, disziplinübergreifende Forschungsprojekte zu lancieren – ein Blick auf die DFG-Forschungsliste sagt alles. Doch im Ausland sind diese Entwicklungen schon sehr viel länger etabliert; man mutmaßt an vielen Stellen, dass durch die Einbeziehung mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen, eine neue Forschungspraxis, und damit einhergehend, ein Mehrwert für alle beteiligten Wissenschaften die Konsequenz des einst noch kaum Denkbaren sein wird. Insbesondere hat sie so genannte „Künstlerische Forschung“ PhD-Studiengänge aufkommen lassen, im Rahmen derer überwiegend an Kunstakademien versucht wird, Wissen aus künstlerischer Praxis zu generieren; das Graduiertenkolleg der UDK Berlin namens „Das Wissen der Künste“ widmet sich dem explizit. Universitäten allerdings boten bisher keine Studienmöglichkeiten an, die künstlerische Praxis mit einer Wissenschaft zusammenbrachte. 2016 schrieb die Leuphana Universität ein Artistic Research-Stipendium aus. Das Kolleg nennt sich „Kulturen der Kritik“ – hier sollen sich medienwissenschaftliche Vorhaben an künstlerischen Überlegungen reiben und vice verca. 

Das Department of Anthropology (Social Anthropology) der Harvard university entwarf nun aber einen PhD-Studiengang,  dessen Studenten (film-)praktische Forschung betreiben, welche sich in der Benutzung von audiovisuellen Medien in der ethnografischen Forschung niederschlägt . 

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Wie bei vielen Artistic Research-PhD-Studiengängen, so muss aber auch hier trotzdem die eigentliche Prüfungsleistung schriftlicher Natur abgegeben werden. Zusätzlich haben die Studenten mit dem Schwerpunkt ‚Media Anthropology‘ künstlerische Arbeiten anzufertigen, welche aus der intensiven ethnologischen Forschungspraxis heraus in ein audiovisuelles Medium hervortreten soll, z.B. im Bereich Zeitbasierte Medien eine Arbeit von unter 30 Minuten Länge. Der mögliche Absolvent hat in einem 2-3 seitigem Statement herauszustellen, welche Absicht die Arbeit verfolgt und in welchem Bezug diese zu der textualen Dissertation steht. Erfolgreiche Titelträger erhalten auf ihrem Abschlussdokument folgenden Bezeichnungszusatz: PhD with media. 

Der Weg der Harvard University kann dennoch als recht deutliches Zeichen betrachtet werden, neuere Medienformate wie das Bewegtbild als integrative Bestandteile der Methodik ethnologischer Forschungs zu verstehen, und nicht nur als Dokumentationstool. Die Vorreiterin Trinh Minh-ha versucht schon lange die herrschende Verständnisauffassung dahingehend zu öffnen. 

Weitere Informationen: LINK

 

 

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