Der Neoessayfilm: Kann ein Film zu viel wollen?

redux/time/OUT OF JOINT nennt sich ein Film von Caspar Stracke aus dem Jahre 2015. Hier werden unterschiedliche Wissenschaften, Kunstformen und Wahrnehmungsmuster mit disparaten formal-ästhetischen Bildkonzepten konfrontiert. Dabei gilt es nur das Rückwärtige als mögliche Verlaufsstrategie temporaler Natur zu ergründen. Ein genialer Versuch der bodenloser nicht sein könnte: Stracke schwebt buchstäblich über den thematischen Fundus an wirklich präzis selektierten Untersuchungsgegenständen. Wer bitte erinnert sich an den Zagreber Neoplantoniker Ivan Ladislav Galeta (2014 verstorben), der zwar auf der einen Seite ein Experimentalfilmemacher war, vor allen Dingen jedoch von einer regelrechten mathematischen Besessenheit gekennzeichnet. Seine Werke analysierten stets das Medium Film in einer bemerkenswert akribischen Art und Weise. Stracke flechtet Galetas Arbeit WAL(L)ZEN von 1989 in seinen Film ein. 

 

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In WAL(L)ZEN geht es um einen Pianisten der einen Part aus Chopins Waltz vorträgt. Das war zwölf Jahre vor dem Film WAL(L)ZEN, als der Pianist (Fred Dosek) das Stück bereits für Galetas Film Forward-Backward: Piano(1977) einspielte. In WAL(L)ZEN manipuliert Galeta das Video mit Dosek, nach einem mathematischen Plan entworfen, vorwärts, rückwärts – mitunter in doppelter Geschwindigkeit. Zahlreiche komplexe Fundstücke, Interviews und Inszenierungen der Person Stracke im Film, verdichten redux/time/OUT OF JOINT derart, dass die meisten Festivals ihn als Essayfilm in der Lage sahen zu umschreiben oder aber als experimentellen Dokumentarfilm. Über diesen und andere relavante Punkte des Films, werden Clemens von Wedemeyer und ich bei der kommenden Veranstaltung von TEMPORAL DISORDER#2 am 25.4.2017 um 18:30 Uhr in der GFZK sprechen.

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