Von Politik und Poetik: L‘Héritage de la Chouette von Chris Marker

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Ein Seminar an der Uni Wien am Institut für Theater- Film und Medienwissenschaften widmet sich am kommenden Sonntag der legendären Fernsehserie L‘Héritage de la Chouette (1989) von Chris Marker. Zusammen mit Thomas Tode, Helmut Färber und Werner Rappl, werden die 13 Folgen der Serie (à 26 Min.) hintereinander projiziert und hinterher diskutiert.

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Politik und Poetik kollidieren naturgemäß nicht sehr oft miteinander. Marker kontrastiert in dieser Fernsehproduktion die griechische Antike mit ihren Errungenschaften und ihrer Bilderwelt mit der Gegenwart und Zukunft. So könnte intelligentes Fernsehen aussehen: kreativ und anspruchsvoll. Folgerichtig wurde die Serie nur ein einziges mal im französischen Fernsehen ausgestrahlt.

Die Zeitschrift Maske und Kothurm hat eine Doppelausgabe dazu veröffentlicht:    Jg. 63, 2-3, LINK

Das Programm der Universität Wien ist hier zu einzusehen.

 

DEFA Matinee mit Eduard Schreiber, 02.11.2019 beim DOK Leipzig

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Drehstab in Moöjobka (v.l. Andreas Wolf, Eduard Schreiber, Rainer Schulz, Regine Kühn)(Foto: Gerd Jäckel)

 

Am 02.11.2019 werde ich im Rahmen der diesjährigen DEFA Matinee des DOK Leipzigs, gemeinsam mit Eduard Schreiber, einige seiner Filme betrachten und diskutieren. Die zwei Programmslots bestehen jeweils aus einem Lang- und einem Kurzfilm.

Alle vier Filme sind hier zu überblicken.

Vor allen Dingen sein Werk Zone M ist ein selten präsentiertes Stück, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

 

Slot 1 (2 Filme): 10 Uhr

– Östliche Landschaften (19′)
– The time is now – jetzt ist die Zeit (100′)

Slot 2: (2 Filme): 12:30 Uhr

– Wissen Sie nicht, wo  Herr Kisch ist? (13′)
– Zone M (97′)

Passage Kinos Wintergarten / Leipzig

 

Bildnachweis: Bildrechte liegen bei Eduard Schreiber.

Dreh mit Eduard Schreiber im Kasten

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Ein wundervoller Tag geht zu Ende, den ich als ganz besonders bereichernd empfand. Der wirklich bemerkenswerte Filmemacher, Autor und Essayist Eduard Schreiber stand für meinen Film Rede und Antwort. Ein Gespräch, das sehr gehaltvoll und inspirierend zugleich war. Selbstverständlich muss man sie suchen, diese Art von intellektuell-elastischen und dennoch bescheidenen Geister. Ich bin sehr froh mit dem Eindruck heimgekehrt zu sein, dass dieser Tag ein wichtiger gewesen sein muss.

 

Desktopessay „All That Is Solid“, von Louis Henderson

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Eine schöne Arbeit, schon 2014 realisiert, greift die Fensterüberlappungsästhetik auf und schafft damit visuelle Disruption, die den Kontext der Arbeit perforiert. Überlagerung des Bilds als Versinnbildlichung der Überlagerung und der Gegensätze der heutigen Datenwelt. Das Archiv als inzwischen heiß verhandelter Gegenstand so einiger Auseinandersetzung in Kunst und Film, ist auch hier Angelpunkt der Erzählung, konstelliert mit Texten und Google-Suchanfragen. Als Netzcollage, ein Arrangement des Kontrollverlusts.

TRAILER

Das Essayfilmfestival London: 22.03.-04.04.19

Das in seiner Art recht einzigartige Essayfilmfestival, welches unter anderem von der Inhaberin des Lehrstuhls für Film- und Medienwissenschaft am Birkbeck College der Universität London Laura Mulvey in London veranstaltet wird, und das eine Kooperation zwischen dem Birkbeck Institute for the Moving Image und dem Institute of Arts darstellt, zeigt eine ganze Reihe von zeitgenössischen Filmemachern, die sich dem Essayismus angenommen haben.

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Geografisch geht es von Argentinien über Hong Kong, in den Iran, Mexico, den USA, in den Libanon, nach Nigeria und nach England.

Die Regisseurinnen und Regisseure: Mania Akbari & Douglas White, Andrea Bussmann, Dora García, Christopher Harris, Mary Jirmanus Saba, Bo Wang & Pan Lu, Onyeka Igwe and Jessica Sarah Rinland, allesamt benutzen den Essayfilm auf unterschiedliche Art und Weisen, gewiss jedoch fragend und abtastend in ihren Modi.

Das vollständige Programm findet sich hier.

Der Vorgriff einer Webdoku: Immemory von Chris Marker

Immemory, ein CD-ROM-Projekt von Chris Marker aus dem Jahre 1997. Im Grunde, kann man sagen, griff Marker der späteren interaktiven Wekdokumentation vor, in diesen sich durch eine Geschichte geklickt werden kann und muss, um sich das Werk zu vergegenwärtigen. Das, wodurch man hier hindurchzuschreiten die Möglichkeit hat, dürfte nichts anderes sein als das Gedächtnis von Chris Marker. Inzwischen, 22 Jahre später, hat sich jemand die Mühe gemacht eine lineare Fassung von Immemory abzufilmen. Zu sehen ist dies auf YouTube. Zugegeben, diese über vier Stunden lange Version kann etwas lang erscheinen bei der Betrachtung. Immemory ist nun nach einigen Jahren wieder käuflich zu erwerben bzw. gibt es gerade in diesem Moment nur noch ein Exemplar zu kaufen (Immemory).

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Die partiell geheimgehaltene Webseite Gorgomancy, stellt, neben der ins Interaktive übersetzten Version von Immemory, eine ganze Menge sonstiger Informationen zu den Arbeiten von Chris Marker zur Verfügung. Enjoy!

 

Sound-Interview mit Norbert Möslang

Für den Film „Von dem Versuch einer Kritik“ ist nun das Interview mit dem Multifunktionskünstler im Kasten. Der Schweizer Tonimprovisator setzte in mehreren Peter Liechti-Filmen die maßgebliche akustischer Akzentuierung.

Bildschirmfoto 2018-07-17 um 08.58.57Bild: Carina Malgut. Sämtliche Bildrechte liegen bei der Künstlerin

Für meine Arbeit, setzte Möslang den verbal-auditiven Fragen eine entsprechende soundkollagierte Tonlandschaft entgegen, deren Eignung für den Film von herausragender Natur ist.

Die Defragmentierung der klassischen Interviewtechnik als Methode vermeintlicher Wissensgenerierung, entspricht der konzeptuellen Vorstellung des Projekts einer funktionalen Dekonzeption. Ich bin gespannt auf weitere Versuchsreihen jenseits von Dokumentar- und Wissenschaftsfilm.

Dreh bei Gerd Roscher

Ich bin neu in der Hamburger Schule (Dirk von Lotzow).

2003 befinde ich mich an der HfBK Hamburg, trete durch die schwere Holztüre ein und somit erstmalig in die Welt der Kunstakademien. Die StudentINNen erscheinen mir desinteressiert, das Klima anonym. In den Fotografieplenen regen sich die meisten unter ihnen auf, aber

keiner weiß mehr (R. D. Brinkmann).

Es will mir nicht ganz gelingen mich hier wohlzufühlen. Donnerstag 10 Uhr besuche ich die erste Filmseminar-Veranstaltung „Experimenteller Film“. Das Gebäude in der Averhoffstraße ist 10 Minuten zu Fuß vom Hauptgebäude entfernt. Alles ist ruhiger, unaufgeregter, die große Eiche auf dem Hof spendet Schatten. Der Seminarraum ist eine Art Kinosaal. Als es losgeht, sprechen wir nur über etwas, das da ist, und nicht darüber, was nicht zu sein hat. Ein Student zeigt eine Skizze, Videosequenzen, kommentiert es nicht. Niemand sagt etwas, das Bild ist seit einigen Minuten schwarz: kollektives Sinnieren für sich. Der Professor, Gerd Roscher, lehnt sich zufrieden zurück und öffnet gestisch wie symbolisch den Raum für Anregungen. Abends – der Veranstaltungsschluss ist längst düpiert – verabschieden wir uns. Die Diskussion verlief konstruktiv, sachlich, niemand hatte Angst etwas zu zeigen oder zu sagen. Konzepte wurden über den Kopf gedacht, aber durch den Filter des Geistes gejagt, und sensitive Kollisionen zwischen Anspruch und Realisationen waren gern gesehen. Ich gehe zufrieden nach Hause.

15 Jahre später spreche ich mit Gerd Roscher über viele Dinge. Es geht um zeitgenössische Tendenzen, (film-)historische Detailversessenheit aus erster Hand, es geht um Gesetztes und Revidiertes. 50 Jahre nach den 68ern, verläuft die Protestbewegung beim einstigen Adorno und Horkheimer-Student noch immer durch dessen Mark. Es ist keine Verbitterung der vielleicht verblichenen Utopien zu sehen, wie ich bei unserer letzten Begegnung 2005 ein wenig vermutete – stattdessen ein neu entfachter Elan, gekreuzt mit einer tiefen Zufriedenheit und Zuversicht. Der Filmphilosoph erzählt mir von seinem neuen Filmprojekt, und als ich abfahre stelle ich fest, dass auch zwei Wochen nicht ausgereicht hätten um das Gefühl zu beseitigen, man hätte mehr Zeit benötigt.

 

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