… Essay/Essai

Häufig wird als essayistische Verfahren einer Arbeit, die (Zer-)Stückelung bzw. das Arrangieren von wenig homogenen Versatzstücken bezeichnet. Anstatt eine Behauptung aufzustellen, seien Essays eher mit dem Aufwerfen von Fragen oder auch Danebendenken1 in Verbindung zu bringen. Die Methodik ist demnach vielzählig. So lässt sich dieses „Ungenre“ hervorragend interpretieren, nicht aber abschließend definieren. Timothy Corrigon versucht in seinem Buch „The Essay Film“2 zu umschreiben: „[…] the intersecting activity of personal expression, public experience, and the process of thinking [… ]“, doch bleibt weiterhin ungewiss, inwiefern „essay“ und „essayistic“ synonym gemeint sind. Auch einige andere namhafte Experten wie Christa Blümlinger, Raymond Bellour, Gertrud Koch, Christiane Voss, Volker Pantenburg oder Catherine Lupton veröffentlichen immer wieder Artikel und Buchpublikationen um das Essayistische herum. Überdies finden einschlägige Veranstaltungsreihen zum filmischen Essay immer wieder statt, doch geht es, nach meinen Recherchen, hierbei nicht explizit um das kritische Potential bzw. die kritische Qualität des essayistischen Vorgehens an sich.

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Essayfilm, begnügte sich in der Vergangenheit oft mit dessen nicht zu systematisierende Ästhetik. Winfried Pauleit fordert dazu auf, die wissenschaftliche Perspektive auf den Essayfilm zu verändern, um die Wissenschaftsfähigkeit und ihre Anwendung von wissenschaftlichen Verfahren und Methoden herauszuarbeiten.3

 

1 Roscher, Gerd in Rossi, Nicolas (2010): Stimmen. Sonderteil. Ton als interventionistische Maßnahme in essayistischen, erörtert an Chris Marker und anderen Suchenden. Leipzig: Buchverlag HGB.

2 Corrigan, Timothy (2011): The Essay Film: From Montaigne, After Marker. London: Oxford University Press.

3 Vgl. Hepp, Andreas (2013): Transformationen des Kulturellen. S. 155.

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