„Harun Farocki: Nacheinander / Nebeneinander“, am 20. bis 30. November im ARSENAL

Das Arsenal zeigt den dritten Teil der Retrospektive „Harun Farocki: Nacheinander / Nebeneinander“

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Zu erwähnen ist auch Ausstellung „Harun Farocki: Mit anderen Mitteln – By Other Means“ (kuratiert von Antje Ehmann und Carles Guerra) im Neuen Berliner Kunstverein sowie der Publikation der Fragment gebliebenen Autobiografie.
Für weitere Informationen: www.arsenal-berlin.de

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Morgen: GODARD in 3D plus zwei seltene Kurzfilme

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Zugegeben, man muss dafür in Paris sein, aber es könnte sich lohnen. Schließlich ist es Fabrice Aragno persönlich, der diese Mikro-Filmreihe präsentiert.  Mit Aragno hat Godard von 2002 an bereits vier Filmen gearbeitet.
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Gezeigt werden morgen (51 Rue de Bercy, 75012 Paris) ab 19 Uhr:
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Jean-Luc Godard

Frankreich / 2012 / 17 Min / Digital

Jean-Luc Godard, Fabrice Aragno

Schweiz / 2012 / 16 Min / Digital

Jean-Luc Godard

Frankreich / 2012 / 70 Min / DCP

Mit Héloïse Godet, Kamel Abdelli, Richard Chevallier.

 

Der Essay als Form der Medientheorie – Max Benses essayistische Medienreflexionen, von Christoph Ernst

2016 lautet das Thema für alljährliche Tagung der Gesellschaft für Medienwissenschaften (GfM) „Kritik“. Ich verpasste die komplette Veranstaltung, und versuchte mir daher im Nachhinein die Vorträge verschriftlicht zu besorgen, deren Inhalt ich für ganz besonders relevant hielt – natürlich gerade im Hinblick auf meine Forschung. Ein wirklich herausragender Aufsatz stammt von Christoph Ernst (Uni-Bonn), den dieser mir freundlicherweise als „Trost“ zukommen ließ. Er versucht den Essay aus der medienwissenschaftlichen Theorie heraus zu greifen zu bekommen (siehe LINK), und in diesem Aufsatz ist Ernst gewillt, den hierzulande gar nicht so sehr geläufigen Philosophen und Schriftsteller Max Bense heranzuziehen. Bense ist Vertreter des Rationalismus, welche die Trennung zwischen geistes- und naturwissenschaftlichem Denken aufheben möchten. Nun kann man sich fragen, wie ein Rationalist mit dem Essayismus in Verbindung gebracht werden kann.

Ernst leitet ein, dass er essayistisch über die Medien nachdenken möchte, um auf die weise zu überprüfen, ob sich „[…] so etwas wie eine philosophische Frage der Medien entwickelt hat. Ich möchte dies tun, indem ich darauf aufmerksam mache, dass beide Fragen in einer spezifischen Variante von essayistischem Diskurs zusammenfinden: Eine wichtige Schnittstelle, in der eine Explikation methodischer Aspekte geleistet wird, liegt im Diskurs über den Essay – also auf Achse der Selbstreflexion der Essayisten auf ihre eigene literarische Arbeit und damit auch: ihre eigene mediale Praxis.“

Als textliche Grundlage zieht Ernst den Text Der Essay und seine Prosa von Bense heran. Diesen bezeichnet er als der wichtigsten Essay über den Essay, welcher aber vermutlich von Adornos Der Essay als Form die Schattenseite erfuhr. Auch Bense umschreibt den Essay als einen „[…]  diskursiven Grenzfall zwischen Literatur (bzw. Kunst) und Philosophie (bzw. Wissenschaft). (vgl. Ernst 2005, Zima 2012: 1- 34). Scharfsinnig bemerkt Ernst, dass für Bense der Essay die Gegenseite der Abhandlung darstellt, und durchaus einen eigenen Charakter innehat, etwas Eigenständiges, wobei wir wieder bei der „Dritten Bedeutung wären“, von der neben Adorno auch Arnold Hauser, Roland Barthes oder Minh-hà sprechen.

Ernst schlussfolgert dass die essayistische Methode vermutlich eine Art fragendes Denken sein könnte, in dem im Essay die Frage selbst noch gefunden wird. Dieses Denken ist mit einer Praxis des konfigurativen Anordnens gleichzusetzen, in der sich die Eigendynamik des Denkens operativ als eine Frage des Mediums stellt.

LINK zum Text

KÜNSTE DEKOLONISIEREN: Trinh T. Minh-ha in Berlin

Am 4.12. hält Trinh T. Minh-ha (Theoretikerin, Autorin, Komponistin, Filmemacherin, Essayistin, Berkeley) an der UDK Berlin einen Vortrag im Rahmen einer Ringvorlesung. Dieser trägt den Namen „Resonance, Resistance and The Creative Everydayund findet im Rahmen des Artistic Research-Kollegs „Das Wissen der Künste“ statt.

Moderation: Annika Haas

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Termin: 4.12. /// 18-20 Uhr

Ort: Universität der Künste Berlin /// Raum 158

Weiterführende Informationen: LINK

Chris Marker und das audiovisuelle Archiv, eine Dissertation von Oliver Mayer

In seiner Dissertation von 2016 an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die nebenbei Sven Kramer mit betreute (Autor von Der Essayfilm, zusammen mit Thomas Tode), nimmt sich Mayer einer komparatistischen Analyse zweier Filme Markers an, um anhand dieser die äußerst tiefe Reflexionsarbeit des Filmemachers hervorzuheben. Dies vollzieht Mayer, indem er Theorien von Walter Benjamin und Aby Warburg mit einbezieht, was sich im Verlauf der Arbeit, als eine wohl choisierte Maßnahme zeigt.

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Besonders stark sind immer wieder die Versuche, Markers Verknüpfungstechnik nachzuvollziehen, sie zu dechiffrieren. Eine der wirklich lesenswerten Forschungsarbeiten zu Marker, der – in ähnlicher Qualität – hoffentlich noch weitere Arbeiten folgen werden.

LINK

 

 

Godard als Performance-Künstler?

Laura Rascaroli, Autorin des 2017 erschienenen Buchs „How the essay film thinks„, veröffentliche 2004 einen überaus denkenswerten Artikel. Der Beitrag „Performance in and of the Essay film: Jean-Luc Godard plays Jean-Luc Godard in Notre musique“.

godard notre musique

Performative Aktionen in Dokumentarfilmen, sind ein tatsächlich wenig beachtetes Forschungssujet. In Zeiten der selbstverständlichen Hybridisierung von Fiktion und Dokumentaion, ist eine Neubetrachtung vielleicht nicht abwegig, selbst wenn der Artikel aus 2009 stammt. Die Autorin argumentiert mit dem Kritiker Thomas Waugh (Waugh, T. (1990), ‘“Acting to Play Onself”: Notes on Performance in Documentaries’, in C. Zucker (ed.), Making Visible the Invisible: An Anthology of Original Essays on Film Acting, Metuchen, N.J. & London: The Scarecrow Press), indem der originär gegensätzliche Charakter von Fiktion und Dokumentation womöglich ein Verständnisproblem darstellen könnte, wonach in einer Dokumentation kaum etwas konzeptuell Angelegtes, ja, Inszeniertes, wie eine Performance, Platz fände. Zumal der Essayfilm ja überdies zwischen Fiktion und Dokumentation sorgenfrei hin und her changiert.

Innerhalb eines Films, differenziert Waugh zwischen zwei Arten von Performance: Die ‘representational performance’, in welcher der Dokumentarfilm, die Codes der narrativem Illusion und Natürlichkeit „ausleiht“. Ist dagegen das Bewusstsein der Kamera gespielt, spricht Waugh von einer ‘presentational performance’.1

Neben einer späteren Herleitung, welche die Rolle Godards in „Notre musique“ eigentlich zu bestimmen versucht, und zudem, welcher Natur diese Selbst-Generierung als Regisseur sein könnte, scheut sich Rascalori nicht, den Großmeister als Essayisten and Schauspieler zu bezeichnen. Godard beschenkt sich immer wieder in seinen Filmen selbst mit Auftritten – ihn aber (nun doch mal) deutlich als Essayisten zu benennen, ist in der Filmwissenschaft nicht unerheblich problematisch. Schließlich ist Godard unterm Strich ein Kinofilmemacher – einer, der die cinematischen Konventionen erfüllt, wenn er sie auch immer wieder ausreizt. Aber darin liegt ja womöglich auch der verhandelte Inhalt in vielen Werken Godards. Diese Freiheit musste er sich über viele Jahre erst einmal erspielen. Anhand der Anzahl der verkauften Eintrittskarten seiner Filme heutzutage, lässt sich sicher nichts ablesen. Wie tief sein Fußabdruck in der Film- und auch Kunstwelt ist, lassen zahllose Preise erahnen, vor allen Dingen FilmemacherINNEN, deren Werk ganz klar von Godard gebrandmarkt ist. in der Regel erscheint Godard nicht, um die Ehrungen persönlich entgegenzunehmen. Er ist zweifelsohne ein Mythos, ein Filmemacher, dessen Person ebenso verehrt wird wie das Werk, welches er kreiert hat.

Hier liegt zweifelsohne eine Gemeinsamkeit mit Chris Marker vor, dessen Person seit jeher ebenso Verehrung fand wie sein Werk. Kritik, sofern es sie gab, setzte sich nie durch. Beide stehen für etwas, dass schwer zu begreifen ist. Wo Chris Marker weitaus mehr als rastloser Philosoph wirkt, mit einem grenzenlosen Erzählschwall gesegnet, und dessen Natur von seinen ZuschauernINNEN niemals als ausufernd bezeichnet werden würde, wird Godard vielerorts noch immer als Bildbeschwichtiger betrachtet, der bewusst seine Audienz einer gewissen Überforderung aussetzt. Marker, der wohl bescheidenste Filmemacher überhaupt, ersetzt sich selbst durch eine Katze, und lässt diese performativ durch den Filmraum tapsen. Wäre die Tiefe seiner Worte nicht derart unbestritten, würde man manch kitschigen Katzenakt anders betrachten. Bei Godard ist seine Person in vielen seiner Werke zentral, präziser, die Wirkungsstätte der ausgesandten Gedanken innerhalb der Filme. Sie sind immer wieder unverständlich, unverdaulich und ganz klar bewusst angesetzt, um Sperren und Barrikaden für die Narration bereitzustellen, die Godard sowieso nicht mehr anzubieten gewillt ist. Sei`s drum

 

 

 

1

Rascaroli, L. (2008), ‘The Essay Film: Problems, Definitions, Textual Commitments’, Framework, 49:2, pp. 24–47.

 

 

 

INTERNATIONALES FESTIVAL DER INNOVATIVEN DOKUMENTARFILMKUNST

Dass der Dokfilm eine Wandlung erfährt, kann man gut finden oder einfach übergehen. In jedem Falle kann man von einer „Weitung“ sprechen, und dies ist nicht etwas das dem klassischen Dokfilm gefährlich werden könnte. Vielerorts werden andere dokumentarische Verfahren eruiert, exploriert. Was die Webdoku noch nicht ganz schafft, sicherlich bedingt durch fehlende Investitionen, gilt es vielleicht aber etwas mehr aus einer theoretischen Perspektive aus durchzudenken. Wie können Geschichten angesichts neuartiger Produktions- und Narrationsmöglichkeiten präsentiert werden, wie können sie sich selbst neu erschaffen? Ein Film war bis dato medienspezifisch etwas abbgeschlossenes, aber sind nicht auch skizzenartige Darstellungswege interessant? Etwas, das zunächst unfertig daherkommt, aber gerade durch die Transparenzmachung seiner Entstehung, eine gewissen Mehrwert für die Betrachter offenbart?

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Die in Wien stattfindende Veranstaltung widmet sich dezidiert innovativen Methoden und Formaten, denen bis heute ein konkretes Forum zu fehlen scheint.

„[…] Allein aufgrund des ihnen innewohnenden Bruchs mit dem Etablierten haben sie es generell schwer, die Auswahlprozedur von Festival-Jurys zu überstehen, die keinen speziellen Fokus auf filmische Innovation legen. D.h. dass viele Filme, die für UNDOX ausgewählt werden, zuvor nur selten gezeigt worden sind – und zu sehen sein werden.“

 

http://dokulab.org/undox/

Merzakademie Stuttgart: FILMKRITIK vs. VIDEOESSAY – Nachdenken über Film

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An der Merzakademie Stuttgart, widmet man sich derzeit einem sehr artverwandten Sujet. Prof. Peter Ott und Prof. Christoph Dreher kuratieren eine Filmreihe, die sich der Frage verschrieben hat, wie zeitgenössische Filmkritik aussehen könnte. Folgerichtig sind Beteiligte am Revolver-Magazin (Christoph Hochhäuslerbis auch Vertreter des Videessay wie Kevin B. Lee als Gäste geladen.

LINK zur Projektwebseite